Interview: Sachwert-Experte und XOLARIS-Chef Stefan Klaile über den Beteiligungs-Markt und die Unternehmensstrategie der XOLARIS Gruppe

Stefan Klaile, Gründer und Geschäftsführer XOLARIS Gruppe gibt im Interview Auskunft über den Markt der Sachwertinvestments und die Zukunft der XOLARIS Gruppe. Er erläutert, warum sich die Geschäfte mit institutionellen und privaten Investoren so verschieden entwickeln und welche Assetklassen besonders interessant sind.

Herr Klaile, wie entwickelt sich der Markt für Sachwertinvestments, insbesondere Alternative Investmentvermögen (AIF)? Eignet er sich als Ergänzung zu Aktieninvestments, Renten und klassischen Immobilieninvestments?

Stefan Klaile: Unbedingt. Das Zinsniveau wird noch eine Weile niedrig bleiben, doch die Konjunkturdaten stimmen. Angesichts des selbst bei moderaten Zinssteigerungen erheblichen Kursrisikos von Rentenpapieren und den meist ausgeschöpften High Yield Quoten bleiben Sachwerte für institutionelle Investoren nahezu alternativlos, um stabile Cash Flows in den verwalteten Portfolios zu generieren. Selbst Family Offices beschäftigen sich immer mehr mit geschlossenen AIF als Struktur für Club Deals. Insofern stellen wir eine stetig steigende Nachfrage seitens professioneller Investoren fest. Viele dieser Fonds werden allerdings exklusiv für einzelne Kunden strukturiert und aufgelegt, sodass sie öffentlich kaum wahrgenommen werden. Angesichts der regulatorischen Anforderungen suchen immer mehr Kunden die Dienste einer Service-KVG. Wir sehen da ein erhebliches Wachstumspotenzial. Nachgefragt wird insbesondere das Immobiliensegment, immer stärker aber auch andere Anlageklassen wie Private Equity oder Erneuerbare Energien.

Und wie sieht es im Retail-Segment aus? Steigt auch die Nachfrage privater Anleger wieder?

Stefan Klaile: Bei den Publikums-AIF sind wir nach wie vor weit von den alten Marktniveaus vor 2008 entfernt, dennoch nehmen wir wieder eine vorsichtige Belebung bei § 34 f Vermittlern wahr. Viele stehen allerdings AIF weiterhin skeptisch gegenüber und tun sich schwer mit den gestiegenen Anforderungen durch die Regulierung des Marktes. Immerhin: Die ersten Banken zeigen wieder ein vorsichtiges Interesse an Publikums-AIF. Ein anderes Problem ist das eingeschränkte Produktangebot. Es kommen noch zu wenige neue AIF auf den Markt, was zum einen an einer begrenzten Verfügbarkeit geeigneter Assets und zum anderen an längeren und aufwendigeren Zulassungsprozessen durch die Regulierung liegt.

Welche Trends sehen Sie in der Kapitalanlage? Was wird derzeit bei Ihnen am stärksten nachgefragt?

Stefan Klaile: Die stärkste Nachfrage kommt nach wie vor aus dem Immobiliensegment. Private Equity nimmt wieder zu. Energie-Projekte werden derzeit durch die politische Hängepartie und die ungewisse Zukunft des EEG ausgebremst. Aber es gibt auch neue Themen wie z. B. die Kryptowährungen, die spannende Produktinnovationen erwarten lassen.

Herr Klaile, Sie sind Gründer und Geschäftsführer der XOLARIS Gruppe. Welche neuen Produkte dürfen wir 2018 von XOLARIS erwarten?

Stefan Klaile: Die nächsten Produkte in der Pipeline sind Spezial- und Publikums-AIF im Immobilienbereich sowohl im In- als auch in Ausland. Darunter Projektentwicklungen, Wohn- und Gewerbeobjekte sowie Hotels mit renommierten Partnern. Aber wir arbeiten auch an einigen innovativen Themen, die allerdings noch nicht ganz spruchreif sind.

Worauf sollten Investoren achten?

Stefan Klaile: Grundsätzlich sollte man in nichts investieren, was man nicht versteht. Die detaillierte Auseinandersetzung mit dem Produkt ist die Grundvoraussetzung. Bei Blindpools, die wir immer häufiger sehen, ist eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Objekt natürlich kaum möglich. Hier sollte umso mehr Fokus auf den Asset Manager und das Fondsmanagement gelegt werden. Ich empfehle ohnehin, sich nach Möglichkeit einen persönlichen Eindruck von den handelnden Personen zu verschaffen. Veranstaltungen oder entsprechende Angebote der Produktanbieter bieten gute Möglichkeiten für ein Kennenlernen. Wir freuen uns aber auch über eine direkte Kontaktaufnahme und ein persönliches Gespräch.

Darüber hinaus sollte großer Wert auf die Auswahl des richtigen, das heißt für den individuellen Bedarf des Kunden geeigneten Produktes gelegt werden. Vermittler sollten die obligatorischen Angaben für die Zielmarktbestimmung nach MiFID II nicht nur formal erfüllen, sondern aktiv nutzen, um eine möglichst hohe Übereinstimmung von Angebot und Bedarf zu erreichen.

Welche regulatorischen Themen stehen als nächstes an?

Stefan Klaile: Für alle KVGen werden 2018 die aktuellen regulatorischen Themen wie die Unterstützung des Vertriebs zur Erfüllung der MiFID II-Vorgaben, der Ausbau des Meldewesens oder das bisher noch unterschätzte Thema Datenschutz sein.

Wie ist die XOLARIS Gruppe derzeit aufgestellt und im Markt positioniert?

Stefan Klaile: Die XOLARIS Gruppe bietet ein umfassendes Leistungsportfolio entlang der gesamten Wertschöpfungskette illiquider Investmentvermögen. Dazu zählen Treuhanddienstleistungen, Fondsverwaltung, -controlling und Meldewesen und Anlegerbetreuung für bestehende geschlossene Alt-Fonds. Aber insbesondere auch zwei Service-Kapitalverwaltungsgesellschaften über die wir Alternative Investmentfonds (AIF) für private und professionelle Investoren in den Anlageklassen Immobilien, Energie, Schiff und Private Equity anbieten können. Die einzelnen Aufgaben werden von spezialisierten Tochtergesellschaften übernommen, die sowohl funktional als auch rechtlich getrennt sind. So können wir unsere Leistungen entsprechend des individuellen Bedarfs unserer Kunden modular anbieten. Über die operativen Prozesse hinaus stellen wir auf Wunsch auch eine professionelle, webbasierte IT-Infrastruktur zur Verfügung.

Wir wollen unsere Kunden in die Lage versetzen, sich voll und ganz auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren zu können.

Wo sehen Sie Entwicklungspotenzial für die XOLARIS Gruppe?

Stefan Klaile: Wachstumschancen sehen wir insbesondere bei internationalen Asset Managern. Bei diesen haben deutsche Investoren und regulierte Strukturen ein hohes Ansehen, ihnen fehlen aber meist die marktspezifischen Kenntnisse in Deutschland insbesondere hinsichtlich der regulatorischen Vorgaben und der Marktzugang. Da kommen wir als Service-KVG ins Spiel.

Beschränkt sich das auf Strukturen nach deutschem Investmentrecht?

Stefan Klaile: Nein. Es gibt auch außerhalb Deutschlands regulierte Strukturen, die von Kunden nachgefragt werden und je nach Konstellation sinnvoll sein können. Hier prüfen wir gerade verschiedene Optionen zur Expansion.

Wie sieht die Strategie für die kommenden Jahre aus?

Stefan Klaile: Wir werden uns in einigen Bereichen stärker fokussieren, um noch mehr von Synergie-Effekten zu profitieren. Einige unserer älteren Projekte werden wir einem erfolgreichen Abschluss zuführen. Gleichzeitig wollen wir das Leistungsspektrum in der gesamten Gruppe jedoch weiter ausbauen. Insbesondere das internationale Geschäft wollen wir erweitern ­ sowohl was Kunden als auch regulierte Strukturen angeht.

Vielen Dank für das Interview.